100 years

Carlo Maserati: Die Umstellung bei Bianchi von 6 Volt auf 12 Volt

Carlo Maserati: Das rebellische Genie

1907 hat Carlo Maserati eine bahnbrechende Idee: Die Umstellung der Lichtanlage seines Bianchi Rennwagens von 6 Volt auf 12 Volt. Nachdem Carlo in den Reihen von Isotta Fraschini gekämpft hat, war er zum Rennteam Bianchi gewechselt, mit dem er nicht allzu befriedigende Rennresultate erzielt. Bei der Coppa Florio in jenem Jahr fährt er aufgrund von Problemen am Zündsystem seines Rennwagens lediglich auf Rang sieben, beim Kaiserpreis ist es Rang neun. Gerade wegen der mangelnden Zuverlässigkeit fällt Carlo Maserati eine relativ einfache Lösung zur Verbesserung der Motoren ein: Er hat die geniale Idee, die Versorgungsspannung von 6 auf 12 Volt zu erhöhen.

Carlo Maserati wird 1881 in Voghera als Ältester der Maserati Brüder geboren. Bereits in seiner Kindheit zeichnet sich Carlo durch Aufgewecktheit, Ideenreichtum und Tatendrang aus. Seine erste Anstellung als Ingenieur ist bei Affori, wo er bereits seinen ersten Einzylindermotor für den Fahrradantrieb entwickelt. Der Motor wird in Anzano del Parco von Michele Carcano produziert. Er wird an Fahrrädern eingebaut, für die Kraftübertragung kommt ein Lederriemen zum Einsatz. Im Alter von 18 Jahren beginnt Carlo seine Karriere als Rennfahrer. Er siegt 1899 beim Brescia Orzinuovi und ein Jahr später beim Padua Bovolenta und beim Rennen Brescia-Cremona-Mantua-Mailand. 1901 kommt Carlo als Testfahrer zu Fiat, 1903 wechselt er zu Isotta Fraschini, wo bereits sein Bruder Alfieri arbeitet. Vier Jahre später wechselt er erneut, diesmal zu Bianchi. Die letzten Jahre seines Lebens verbringt er bei Junior gemeinsam mit seinem Bruder Ettore.

Die Revolution der Lichtanlage

Carlo Maserati stellt die Lichtanlage seines Bianchi Rennwagens auf eine andere Versorgungsspannung um. Damit löst er alle Probleme in Verbindung mit Zündaussetzern im Brennraum. Die Zuverlässigkeit wird wesentlich gesteigert, so dass die Fahrleistungen verbessert werden und die Leistungsabgabe eine größere Kontinuität erhält. Der Wechsel von 6 auf 12 Volt beeinflusst nicht nur die damalige, sondern auch die künftige Automobiltechnik. So beträgt die Spannung automobiler Stromanlagen auch heute noch 12 Volt.

Ein Genie scheidet aus der Welt

Carlo ist ein umtriebiger Mensch. Ein rastloses Genie, das keinen Stillstand kennt. Nachdem er die Lichtanlage des Bianchi von 6 auf 12 Volt umgestellt hat, geht er nach Mailand zu Junior, wo bereits sein Bruder Ettore arbeitet und er 1908 Manager wird. Sein Leben ist von der Leidenschaft für Motoren geprägt. So arbeitet er tagsüber für Junior und konstruiert nach Feierabend sein eigenes Auto, das ein Holzchassis und einen ganz von ihm selbst entwickelten Motor besitzt. Gerade seine Unrast und sein übervolles Arbeitspensum gehören jedochzu den Auslösern seiner Tuberkuloseerkrankung, der er 1910 erliegt. Das ideelle Vermächtnis von Carlo geht auf seinen Bruder Alfieri über, der den Mythos Maserati ins Leben ruft.